Im Mittelpunkt dieser phantastischen Ausstellung der Berlinischen Galerie mit dem Titel Visionäre der Moderne, die von Annelie Lütgens kuratiert wurde, stehen Architekturvisionen und Zeichnungen dreier Utopisten des frühen 20. Jahrhunderts.

Paul Scheerbart: Ein Zukunftskind, ca. 1912 (Abb. Katalog)

Der Schriftsteller, Dichter und Erfinder Paul Scheerbart (1863-1915) konnte um 1914 den jungen Architekten Bruno Taut (1880-1938) für seine Ideen, mit farbigem Glas zu bauen, begeistern. „Scheerbart war der Anreger, Taut der Netzwerker: Als 1918 im Zuge der Novemberrevolution in Deutschland der Arbeitsrat für Kunst gegründet wurde, entstand mit ihm ein Sammelbecken visionärer künstlerischer Ideen. Taut avancierte zum Wortführer von Architekten,  Malern, Bildhauern und Kunstkritikern, die das gemeinsame Ziel bewegte, Architektur und Kunst für die zukünftige Gesellschaft einer breiten Bevölkerung nahezubringen.” (Annelie Lütgens)

Bruno Taut: Alpine Architektur, 1919 (Abb. Katalog)

Paul Goesch (1885-1940), ausgebildeter Architekt, schuf hunderte von phantastischen Zeichnungen. Er zählte zu jenem berühmten Forum für utopisches Bauen, dem 1919 von Taut ins Leben gerufenen Briefzirkel Die Gläserne Kette. Die etwa achtzig überwiegend noch nie gezeigten farbigen Aquarelle von Paul Goesch bilden das Herzstück der Ausstellung.

Paul Goesch: Ornament, ca. 1920 (Abb. Katalog)

Die neue Kunst der jungen Weimarer Republik, deren Wirtschaft daniederlag, sollte sich aus den verschiedensten Quellen speisen, die Bauten gläsernen Grotten oder galaktischen Luftschlössern ähneln, gerade weil es kaum Mittel zum Bauen gab. „Wenn es eine Gemeinsamkeit dieser drei Visionäre gibt, dann ist es das gleichzeitige Denken von realisierbaren und unrealisierbaren Ideen und die Weigerung, jedwede Trennung zwischen beiden Gedankenwelten anzuerkennen.“ (Annelie Lütgens)

Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie läuft noch bis zum 31.10.2016.

Paul Scheerbart: Jenseits-Galerie (Blatt 3), 1907 (Abb. Katalog)

The exhibition in the Berlinische Galerie focuses on architectural blueprints and designs by three early 20th-century visionaries. Around 1914, the novelist, poet and inventor Paul Scheerbart (1863-1915) inspired the young architect Bruno Taut (1880-1938) with his ideas for coloured glass buildings. Paul Goesch (1885-1940), a trained architect, produced hundreds of fantasy drawings. He was one of the correspondents who contributed to the Glass Chain, that famous forum of utopian construction initiated by Taut in 1919.

Paul Goesch: Profil (nach zufälligem Eindruck), 1921 (Abb. Katalog)

While the economy of the young Weimar Republic struggled to recover, its pioneering art drew on highly versatile sources – from crystal grottoes to galactic castles in the air – precisely because there was so little money to build with. In the enthusiastic words of architect Walter Gropius at the time: “Dreamers, fantasists, visionaries […] that, in the final analysis, is what we want: utopia!”

The exhibition brings together about eighty vivid watercolours by Paul Goesch from the Berlinische Galerie’s own collection, most of them never shown before, along with drawings and texts by Paul Scheerbart, Bruno Taut and other members of the Glass Chain.